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"Falsche" Richtung

Veröffentlicht am 1. April 2021 um 11:55

Bitte nicht wenden!

Eigentlich sind wir in Richtung Westen unterwegs, aber für die Empfehlung von Angi & Marvin drehen wir noch einmal um und fahren in die entgegengesetzte Richtung. Bis zum Zielort brauchen wir noch einen Zwischenstopp, den wir in Elviria machen. An einer sehr kurzen Autobahnabfahrt geht es gleich rechts über eine Juckelpiste zu einer Art inoffiziellem Campingplatz. Hier herrschen die Hippies und wir werden gleich von neugierigen Kindern und Hunden beäugt. Es stehen etliche Wohnmobile aus den unterschiedlichsten Ländern hier und in einer der vielen Parkbuchten legt sogar ein DJ auf. Wir fühlen uns ein bisschen, wie auf unserem Lieblingsfestival, dem Herzberg und suchen uns ein etwas ruhigeres Plätzchen.

Obwohl das Hippie Camp sehr nah an der Autobahn liegt, können wir innerhalb von 2 Gehminuten das Meer erreichen. Wir machen einen ausgedehnten Strandspaziergang und können unterwegs sogar ein bisschen bummeln.

Die Nacht ist zwar nicht sonderlich ruhig, da natürlich Party gemacht wird, aber wir wussten ja, worauf wir uns einlassen. Immerhin konnten wir mal wieder ein bisschen Festivalfeeling schnuppern, was irgendwie auch  ganz guttut.

Am nächsten Morgen fahren wir gleich weiter zu unserem Zielort, nach Nerja. Dort ist leider nicht nur das Übernachten, sondern sogar das Parken mit dem Camper verboten. Wir riskieren es jedoch für einen kleinen Spaziergang durch die Schlucht zu einer versteckten Meeresbucht. Dafür müssen wir uns jedoch erstmal durch den Schilf schlagen.

Mit so einer Aussicht hätten wir nicht gerechnet, die Fahrt hierher hat sich wirklich gelohnt! Wir verbringen einige Zeit auf den Steinen und lassen uns die Meeresluft um die Nase wehen. Auf dem Rückweg entdecken wir etwas weiter oben einige Höhlen, von der eine auch bewohnt aussieht. Darunter liegt eine richtig schöne kleine Farm, wo ein Pferd, ein Esel, eine Gans und einige Enten leben, die sogar einen eigenen Pool haben.

Aufgrund des Parkverbots suchen wir uns für die Nacht ein anderes Plätzchen und fahren nach Viñuela, wo wir etwas weiter hinter einem Picknickpark einen geeigneten Ort finden, von dem aus wir auf den See gucken können.

Am nächsten Tag hat Olli wieder mal einen Weg auf Google Maps gefunden, den wir uns anschauen wollen. Es geht über abenteuerliche Straßen auf der anderen Seite des Sees auf einen Berg hinauf, wo plötzlich der Weg in einer Blumenwiese neben einer Barracke endet.

Wir schauen uns neugierig um und fragen uns, was an diesem Ort geschehen sein könnte. Wurden hier vielleicht Leichen verscharrt? Wir erkunden die Gegend zu Fuß, ob es noch einen geeigneteren Platz gibt, da wir nicht so gern in der prallen Sonne stehen wollen.

Wir finden nicht wirklich etwas besseres und sind sehr unentschlossen, was wir jetzt tun sollen. Da kommt ein Auto mit zwei älteren Herren vorbei, die irgendwas auf spanisch reden. Wir verstehen erstmal kein Wort und denken, wir sollen wegfahren. Die Männer gestikulieren, dass wir langsam machen sollen und einer der beiden steigt aus und fragt uns auf spanisch, ob wir hier campen wollen. Ich sage natürlich erstmal „Nein, nein…“, doch dann verstehe ich, dass der andere Mann der Besitzer ist und es okay für ihn ist, wenn wir hier stehen wollen. Wir freuen uns über die Erlaubnis und nehmen das Angebot dankend an. Bis auf die pralle Hitze und die Fliegetiere ist es ja auch wirklich schön hier!

Trotz der heißen Temperaturen können wir es in unserem Champie mit geöffneten Fenstern und viel Durchzug sehr gut aushalten. Am Abend machen wir noch einen Spaziergang und bewundern die alten Olivenbäume.

Wir verbringen eine ruhige Nacht und bekommen am nächsten Morgen noch einmal Besuch von einem anderen Auto, in dem ein Pärchen sitzt. Die Frau kommt heraus und wir begrüßen uns. Ich versuche zu erklären, dass der Besitzer uns die Erlaubnis gegeben hat hier zu stehen und sie entgegnet: „Jaja, das ist mein Mayor!“ Auf deren Grundstück gibt es wohl auch einen Campingplatz, aber es scheint wirklich kein Problem für sie zu sein, dass wir hier stehen. „Es ist doch ein schöner Platz, nicht?“, sagt die Frau auf spanisch und wir nicken ihr zustimmend zu. Währenddessen hat ihr Mann die Barracke aufgeschlossen und die beiden gehen ein Stück spazieren. Nebenbei bemerkt, es steckt auch noch der Schlüssel in deren Auto. Zum Schluss dürfen wir auch einmal in die Baracke hinein schauen und es stellt sich heraus, dass es nur ein Abstellraum ist, indem Baumaterialen und alte Gartenstühle lagern. Es hat den Zauber dieses geheimnisvollen Ortes zwar ein wenig genommen, aber ich freue mich trotzdem sehr über die freundlichen Begegnungen mit den Einheimischen.

In dem Sinne: Hari om!


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